Der Aktionärbindungsvertrag: Wozu er dient und wie Sie ihn gestalten können
31.03.2025
Einleitung
Mit der Eintragung der Aktiengesellschaft im Handelsregister ist der erste Schritt zur selbstständigen Tätigkeit geschafft. Sind mehrere Gründer involviert, stellt sich nun die Frage, wie die Zusammenarbeit unter den Aktionären geregelt werden soll. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Aktionärbindungsvertrag bildet das Fundament für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Aktionären und schützt die Interessen aller Beteiligten.
Dieser privatrechtliche Vertrag regelt zentrale Aspekte wie Stimmrechte, Gewinnverteilung und Verkaufsbeschränkungen. Er verhindert potenzielle Konflikte und sichert die langfristige Stabilität der Gesellschaft.
Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die zentralen Aspekte des Aktionärbindungsvertrags und seine Bedeutung für die Unternehmensführung.
Was ist ein Aktionärbindungsvertrag?
Ein Aktionärbindungsvertrag (ABV) ist ein privatrechtlicher Vertrag zwischen den Aktionären einer Aktiengesellschaft. Er ergänzt die gesetzlichen und statutarischen Bestimmungen durch zusätzliche Vereinbarungen zwischen den Beteiligten.
Der ABV bindet ausschliesslich die unterzeichnenden Parteien, also die Aktionäre, und entfaltet keine Wirkung gegenüber der Gesellschaft oder Dritten.
Zentrale Aspekte der möglichen Aktionärsrechte und -pflichten innerhalb eines ABV:
Stimmrechtsausübung in der Generalversammlung
Veräusserungsbeschränkungen für Aktien
Vorkaufs- und Vorhandrechte bei Aktienverkäufen
Wettbewerbsverbote und Geheimhaltungspflichten
Regelungen zur Gewinnverteilung und Dividendenpolitik
Praxisbeispiel:
Die Familien-AG Müller & Co., ein erfolgreiches Produktionsunternehmen in zweiter Generation, steht vor der Herausforderung der Nachfolgeregelung. Die drei Geschwister Müller sollen die Führung von ihrem Vater übernehmen. Um zukünftige Konflikte zu vermeiden, schliessen sie einen ABV ab, der folgende Kernpunkte regelt:
Einstimmigkeitsprinzip bei strategischen Entscheidungen
Vorkaufsrecht der Geschwister bei Aktienverkauf
Festlegung der Bewertungsmethode für Unternehmensanteile
Regelung zur gleichmässigen Dividendenausschüttung
Klare Kompetenzzuteilung in der Geschäftsführung
Durch diese verbindlichen Vereinbarungen konnte die Familie Müller potenzielle Streitigkeiten vermeiden und eine reibungslose Nachfolge sicherstellen. Der ABV hat sich als wertvolles Instrument zur langfristigen Stabilisierung des Familienunternehmens erwiesen.
Inhalte und Klauseln eines Aktionärbindungsvertrags
Ein Aktionärbindungsvertrag kann verschiedene Klauseln enthalten, die das Zusammenspiel der Aktionäre regeln:
Veräusserungsbeschränkungen:
Festlegung der Bedingungen für den Verkauf von Aktien
Schutz vor unerwünschten neuen Aktionären
Definition des Prozesses zur Unternehmenswertbestimmung anlässlich einer Veräusserung
Vorkaufsrechte:
Prioritätsrechte für bestehende Aktionäre beim Aktienkauf
Regelung der Preisbestimmung
Fristen für die Ausübung des Vorkaufsrechts
Stimmbindungsklauseln:
Vereinbarungen zur einheitlichen Stimmabgabe
Regelungen für strategische Entscheidungen
Bestimmungen für die Wahl des Verwaltungsrats
Sämtliche Klauseln können individuell angepasst werden und umfassen häufig auch:
Gewinnverteilungsregelungen
Wettbewerbsverbote
Informationsrechte
Regelungen zur Konfliktlösung
Vorteile und Herausforderungen bei der Gestaltung eines ABVs
Ein durchdachter Aktionärbindungsvertrag bietet wesentliche Schutzfunktionen für das Unternehmen. Die präventive Konfliktlösung steht dabei im Vordergrund, indem der ABV klare Handlungsrichtlinien für potenzielle Streitfälle zwischen Aktionären definiert. Durch festgelegte Entscheidungsprozesse wird zudem die Stabilität der Unternehmensführung und damit die operative Handlungsfähigkeit gesichert. Die vertraglichen Regelungen bieten außerdem einen effektiven Schutz vor feindlichen Übernahmen, indem sie unerwünschte Anteilsverkäufe an Dritte verhindern.
Die Dividendenpolitik nimmt eine zentrale Rolle im ABV ein. Hierzu gehören die Festlegung von Mindestausschüttungen für Minderheitsaktionäre, die Bestimmung der Gewinnverwendung bei unterschiedlichen Geschäftsergebnissen sowie die ausgewogene Balance zwischen Reinvestition und Ausschüttung.
Die grösste Herausforderung bei der Gestaltung eines ABV liegt in der ausgewogenen Gestaltung der Regelungen. Dabei müssen die Interessen aller Aktionäre berücksichtigt werden, während gleichzeitig die Flexibilität für unternehmerische Entscheidungen gewahrt bleiben muss. Zudem ist die Rechtssicherheit der Vereinbarungen von entscheidender Bedeutung. Ein professionell gestalteter ABV schafft die notwendige Balance zwischen Handlungsfreiheit und verbindlichen Strukturen für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung.
Praktische Tipps zur Erstellung eines effektiven Aktionärbindungsvertrags
Die Erstellung eines effektiven Aktionärbindungsvertrags lässt sich in klare Schritte unterteilen:
1. Bestandsaufnahme der Aktionärsstruktur
Identifikation aller beteiligten Parteien
Festlegung der jeweiligen Aktienanteile
Klärung individueller Bedürfnisse und Ziele
2. Kernelemente definieren und Vertragsausarbeitung
Stimmbindungsvereinbarungen
Veräusserungsbeschränkungen
Bewertungsmethoden für Unternehmensanteile
Regelungen zur Gewinnverteilung
3. Unterzeichnung durch Aktionäre
Sorgfältige Prüfung aller Vertragsunterlagen durch jeden Aktionär
Unterzeichnung durch die Aktionäre
Archivierung und sichere Aufbewahrung des unterzeichneten Vertrages
Der Aktionärbindungsvertrag sollte aufgrund seiner Komplexität und rechtlichen Bedeutung durch einen erfahrenen Wirtschaftsjuristen erstellt werden.
Die persönliche Beratung und Betreuung durch einen Wirtschaftsjuristen stellt sicher, dass der ABV optimal auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens und seiner Aktionäre ausgerichtet ist und potenzielle rechtliche Risiken von Anfang an minimiert werden.
Fazit zum Aktionärbindungsvertrag
Ein professionell gestalteter Aktionärbindungsvertrag ist ein unverzichtbares Instrument für den langfristigen Erfolg einer Aktiengesellschaft. Er schafft klare Strukturen, regelt potenzielle Konflikte präventiv und sichert die Interessen aller Beteiligten. Die sorgfältige Ausarbeitung unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und rechtlicher Rahmenbedingungen ist dabei entscheidend. Mit fachkundiger Unterstützung wird der ABV zum stabilen Fundament für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung.